Julia Mauracher. Powered by Blogger.

My Body is A Wonderland oder: Reha - Gedanken






Als Frau ist man prinzipiell eher nicht zufrieden mit seinem Körper.
Ich kenne keine Frau, die von sich selbst behauptet, zu 100% glücklich mit ihrem Körper zu sein und keinerlei Problemzonen zu haben.
Und dabei gibt es in meinem Umfeld viele Frauen, die einen Körper wie Heidi Klum, Haare wie eine Disney – Prinzessin oder Gesichtszüge wie Barbie haben.
Auch ich selbst war noch nie in meinem Leben wirklich zufrieden mit mir.
Als Kind war ich superdünn und klein, wurde deshalb immer gehänselt und habe nie gelernt, meinen Körper zu akzeptieren.
Ich wurde von Erwachsenen, Lehrern und Mitschülern oft als „die Kleine“ abgestempelt und ich glaube genau daher kommt mein heute eher „lauter“ Charakter.
Ich musste mich immer beweisen, wollte mich aus dem Hintergrund in den Vordergrund schieben und habe schnell gelernt, dass ich meine kleine Körpergröße mit meiner Art, mich auszudrücken, kompensieren kann.

Die Pubertät war natürlich die Hölle.
Wer von vornherein ein falsches Selbstbild hat, den verwirrt sowas nur noch mehr.
Ich begann notgedrungen endlich, mir Gedanken über Ernährung zu machen. Und Bewegung.
Ich komme zwar aus einer sehr sportlichen Familie, wo die Wochenenden immer vollgepackt mit Wanderungen, Wintersport, Klettern oder Radfahren waren, aber irgendwann kurz vor den "schwierigen Jahren" habe ich mich dagegen natürlich wahnsinnig gewehrt und alles abgelehnt, was meine Eltern für gut befanden.




© Martin Kolp


Der Weg zurück zum Sport ging bei mir dann übers Tanzen.
Jazz-Dance, Modern – Dance, Paartanz, das hat mir immer Spaß gemacht.
Ich entwickelte wieder sportlichen Ehrgeiz und wollte besser werden.
Ich war als Kind auf keiner Ballett – Schule oder im Turnverein, also hatte ich gegenüber den anderen tanzbegeisterten Mädchen in der Jazzdance – Gruppe so einiges aufzuholen.
Einen Spagat habe ich im Leben noch nie geschafft und jeder Zentimeter Dehnbarkeit wurde gefeiert wie Weihnachten.
Während meiner Ausbildung zur Schauspielerin kamen dannYoga, Ballett und ein wenig Pilates dazu und schon dort bemerkte ich, dass ich keine Sekunde zu spät angefangen hatte, meinen Körper zu dehnen, Muskeln aufzubauen und zu lernen, sich gefühlvoll und bewusst zu bewegen.
Das Thema „Gewichtsverlust“ stand, nachdem ich über die Jahre des Erwachsenwerdens immer mehr zugelegt hatte, trotzdem immer im Fokus und ich schrieb mich in Fitness-Studios ein.
Das funktionierte mal mehr, mal weniger.
Ausdauersport war für mich schon immer eher eine Qual. Wie oft hab ich mich dazu überreden müssen, 40 Minuten auf dem Cross-Trainer „runterzubringen“.
Alleine der Schritt ins Studio war manchmal ein großer Kampf.
Mit der Ernährung war es genauso, mal hatte ich Zeit, darauf zu achten, mal weniger.




© Martin Kolp
                                                                                                                             


Aber jetzt kommen wir zum eigentlichen Grund dieses Beitrags:
Wenn ich könnte, würde ich heute gerne ins Jahr 2007 zurückreisen, als ich mich für den Jazzdance – Kurs eingeschrieben habe und mich bei mir selbst dafür bedanken.
Ich würde gerne DANKE sagen zu der Julia, die hohe Kosten auf sich genommen hat, um eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio zu erwerben, die beschlossen hat, dass es nicht egal ist, was man isst und die sich immer wieder und wieder auf den Cross-Trainer geschleppt hat.
Ich war dadurch zwar bei weitem noch kein durchtrainierter, gesunder Mensch, ich hatte meine Problemzonen, kaum sichtbare Muskeln und ernährte mich oft wochenlang sehr ungesund, ABER: es war alles so unglaublich wichtig und nicht umsonst.
Denn die Belohnung für all diese schwierigen Zeiten habe ich in den letzten Wochen erhalten.
Ich habe etwas ganz Essentielles verstanden: es geht nicht darum, Sport zu machen um superschlank und muskulös zu sein und stolz durchs Freibad spazieren zu können.
Gesunde Ernährung funktioniert nicht, wenn man sich nur noch von Früchten ernährt und auf Brot verzichtet. Sie ist nicht dazu da, um möglichst schnell ein paar Kilos zu verlieren.




© Martin Kolp
                                                                                                                                                                                


Es geht um was ganz anderes: den Körper gesund und fit zu halten.
Darauf vorbereitet zu sein, dass man ihn eventuell gerade in einer Ausnahmesituation in seiner Höchstform braucht.
Mein Drang, schlank zu sein, gut auszusehen, begehrt zu werden, hat mir einerseits sehr schwierige Zeiten beschehrt und auf der anderen Seite eine Basis gegeben, die ich hier und jetzt so dringend gebrauchen kann.
Zwei Wochen Reha liegen hinter mir und ich überrasche nicht nur mich selbst, sondern auch sämtliche Ärzte, Therapeuten und Mitpatienten damit, wie schnell sich mein Körper von diesen unsäglichen Strapazen erholt.
Mein Körper kennt kein Jammern, keine Schwäche, er macht jeden Schritt den ich machen will mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit mit und akzeptiert die Schmerzen, die ich während dieser Phase täglich habe.
Als Dank schenke ich ihm dieser Tage viel Geduld, positive Energie und Zuneigung.
Ich stresse mein neues Kreuzband nicht, gefälligst schneller gedehnt zu sein.
Wenn eine Übung zu sehr schmerzt, dann sage ich das dem Therapeuten und wir arbeiten langsamer.
Ich bemühe mich, schlechte Gedanken beim Yoga nicht zuzulassen.
Früher wäre ich vor Wut aus der Haut gefahren, wenn ich es plötzlich nicht mehr geschafft hätte, meine Beine flach auf den Boden zu legen, meine Füße mit den Händen zu umklammern und den Bauch auf die Oberschenkel zu legen.
Ein gar nicht mal so kleines Metallstück in meinem Rücken hat mir jegliche Beweglichkeit in der Wirbelsäule genommen und ich kann vorherige Übung nicht mal ansatzweise ausführen.
Aber darum geht es nicht. Ich bin nicht sauer auf meine Wirbelsäule.
Ich bedanke mich bei ihr, wenn wir es schaffen, die Stretching – Kursstunde zu absolvieren, ohne wegen Schmerzen aufgeben zu müssen.




© Martin Kolp
                                                                                                                                                                              


Für alle Reha-Patienten ist auch Ernährungsberatung Pflicht.
Im ersten Moment dachte ich noch „Was wollen die mir da noch Neues erzählen?
Ich weiß doch, wieviel Würfelzucker in einer Cola stecken!“
Aber am Ende war es wahnsinnig interessant und ich konnte vieles mitnehmen.
Die täglich empfohlene Obst – Menge zum Beispiel.
Früher habe ich mich oft von Obst ernährt und einen Apfel als Snack (oder statt dem Frühstück) gegessen.
Was ich nicht gewusst habe: mehr als zwei handgroße Portionen Obst sollte man eigentlich gar nicht essen. Wegen dem Zucker!
Und nicht, weil der dick macht, sondern weil zu viel Zucker einfach ungesund und nicht gut für deinen Körper ist.
Mit 25 denkt man sich: mir egal.
Die Figur zählt.
Zucker hin oder her, ich werd schon nicht krank.
Hauptsache kein Brot oder Schokolade essen.
Auch das kann ich heute einfach nicht mehr so sehen wie früher.
Auch mit 25 kann man krank werden.
Oder einen Unfall haben, der das gesamte System enorm durcheinanderbringt.
Ohne ein gutes Immunsystem hätte ich mir in der kritischen Phase vielleicht eine Lungenentzündung geholt oder mich mit tausend verschiedenen Keimen, die in so einem Krankenhaus rumschwirren, angesteckt.
Zum Glück war mein Immunsystem stark genug – ein bisschen durch meinen immer bewussteren Lebenstil, aber auch ein bisschen durch pures Glück.




© Martin Kolp
                                                                                                                                                                               


Ich möchte das eigentlich nicht mehr dem puren Glück überlassen.
Ich möchte meinen Körper zu seinem stärksten Ich formen.
Denn er hat in den letzten Wochen so unglaubliches geleistet, so viel verziehen, vergessen und ertragen, dass ich ihm das einfach schuldig bin.


Natürlich bleibt Pizza weiterhin mein Lieblingsessen.
Und ich bin immer noch „Julia Bakes“, die backbegeisterte Dessert - Liebhaberin.
Das wird sich nicht ändern.
Aber meine Einstellung zur Verantwortung, die man für seinen Körper hat, schon.
Man kann sich nicht einfach blind durchs Leben schummeln, die Finger kreuzen und hoffen, dass es einen nie trifft.
Denn wenn es dann doch passiert, ist es leider einfach schon zu spät.


Man muss sich bewusst sein, dass unser Körper unser tägliches Werkzeug ist, das Pflege, Aufmerksamkeit und Zuneigung braucht.
Ein gut gewartetes Werkzeug überlebt und übersteht so einiges.


In diesem Sinne:
lasst uns versuchen, unsere Körper mehr zu lieben, nicht, weil Fitnessgurus, Ratgeber, Experten und Heidi Klum das predigen, sondern weil wir wahnsinnig dankbar sein können, dass unser Körper Tag für Tag so einiges mit uns mitmacht und wir uns auch in den meisten Fällen auf ihn verlassen können.
Schenkt ihm die Aufmerksamkeit, die er verdient und seid euch bewusst, dass er für euch da sein wird, wenn ihr ihm irgendwann mal alles abverlangen müsst.
Unser Körper nimmt uns den Bissen Schokolade oder das gelegentlich abgesagte Workout nicht übel, er nimmt es uns aber sehr übel, wenn wir ihn beschimpfen, nicht akzeptieren und quälen.
Ich werde den Moment nie vergessen, als ich absolut regungslos in einem Bett lag, die ersten Schritte und Bewegungen noch Wochen in der Zukunft lagen und ich mir so sehr gewünscht hätte, leicht beschwingt auf einen Crosstrainer hüpfen zu können.
Meine Muskeln zu spüren, zu schwitzen, sich gut zu fühlen.
Diesen Moment werde ich mir im Kopf behalten und mich daran erinnern, wenn ich irgendwann mal wieder überlege, ob ich direkt aufs Sofa oder erstmal ins Fitness – Studio gehen soll.


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